Die
vorwiegend mittelständischen, türkischen Möbelstoffweber haben in
den letzten Jahren durch Modernisierungen und Kreativität den Anschluß
an die international bekannten Möbelstoffnationen geschafft. Hierzu
paßt die Aussage von Erol Türkün, dem Besitzer des gleichnamigen Möbelstoffherstellers
in Bursa, der ausführt: Mittelständische Unternehmen können
nur konkurrenzfähig bleiben, wenn sie dem Modetrend weltweit folgen
können und in der Produktion ready-made orientiert sind.
Am Beispiel
von zwei Unternehmen soll dieser Produktionszweig der türkischen Textilindustrie
näher dargestellt werden.
Firma
Türkün
Die Firma Türkün ist eines der traditionsreichsten Unternehmen in
diesem Sektor und besteht schon in der 3. Generation. Vor 60 Jahren
begann man auf acht Webmaschinen mit der Produktion von DOB-Jacquardgeweben.
Ende 1960 konzentrierte sich die Fertigung auf Möbel-und Dekostoffe,
mit denen dann in den folgenden Jahren schon die Führungsrolle im
türkischen Markt erreicht werden konnte.
Heute
produziert die Firma Türkün mit 560 Mitarbeitern pro Monat 600.000
Meter hochwertiger Gewebe, zu je 50% aufgeteilt in Deko- und Möbel-
stoffen. Um dem Anspruch des größten türkischen Möbel- und Dekostoffwebers
für hochwertigste Artikel gerecht zu werden, setzte der heutige Inhaber
Erol Türkün, gleichzeitig Präsident der Industrialists and Businessmen
Association of Bursa und Vorstand des Exportvereins Bursa auf
zwei wichtige Faktoren. Erstens wird kontinuierlich investiert mit
dem Schwerpunkt Qualität und Flexibilität zu steigern. Um dies dann
auch aus eigenen Mitteln zu sichern wurde zweitens auf Vollstufigkeit
gesetzt.
Heute
verfügt das Unternehmen über drei Webereien im Möbel- und Dekostoffbereich
mit anschließender Ausrüstung und einer Webereibeteiligung. Zusätzlich
wird die Artikelpalette abgerundet durch die Herstellung von Tischwäsche
und Bett- sowie Kissenbezügen im eigenen Konfektionsbetrieb. Mit der
neuesten Investition in eine eigene Stoffdruckerei konnte ein weiterer
Baustein zum Vollstufenbetrieb verwirklicht werden. 12 eigene Designer
schaffen mit Hilfe modernster CAD-CAM-Systeme die Voraussetzung für
eine eigene Kollektion, aus der 350 Dessins sogar beim Patentamt registriert
sind.
Ein Teil der Gewebepalette ist speziell
ausgerüstet und resistent gegen Feuer und Flecken. Auf Anfrage werden auch kundeneigene
Wünsche umgesetzt und produziert. Das schafft nicht nur im Inland eine dominierende
Stellung im Kreativbereich, sondern mit einem eigenen Markennamen "Vanelli"
mittlerweile auch einen 35%igen Exportanteil. Zu den mehr als 20 Abnehmerländern zählen
neben bekannten westeuropäischen Ländern auch die USA und Japan.
1990 wurden
die ersten DORNIER-Greiferwebmaschinen installiert, die bis heute
in den verschiedenen Webereien auf gesamthaft 42 Maschinen angewachsen
sind. Die hohe Flexibilität und die Robustheit der Maschine
bei niedrigem Ersatzteilverbrauch und geringem Wartungsaufwand führten
zur Kaufentscheidung und den Folgeaufträgen so Erol Türkün.
Wurden anfangs neben 180 cm breiten HTVS Maschinen noch doppelbreite
Maschinen in 320 cm Nennbreite gekauft, so wird man in Zukunft nur
noch auf einfachbreite Maschinen setzten, um flexibler und schneller
in der Auftragsabwicklung zu sein. Alle Maschinen sind mit 8 Farben
und elektronischen Jacquardeinrichtungen ausgestattet.
Die Vielfalt
der auf den DORNIER-Maschinen verarbeiteten Schußgarne zeigt die hohe
Flexibilität, reicht sie doch von Chenillgarnen mit Feinheiten von
Nm 3/1 über Viscose mit Ne 6/1 bis Ne 50/2, Baumwolle Ne 2/1 bis Ne
60/2 bis hin zu 70 bis 300 den feinen Polyestergarnen.
Firma
Prestij Mensucat
Große Vielfalt der verarbeiteten Materialien herrscht ebenfalls beim
zweiten Kunden, der Firma Prestij.
Hier
werden auf 24 Greiferwebmaschinen des Typs HTVS8/J, 180 cm Nennbreite
in Jacquardausführung 120.000 Meter Möbel- und Dekostoff pro Monat
hergestellt. Die Firma Prestij, vor 20 Jahren gegründet als Handelshaus
für Möbelstoffe, ist einer der typischen türkischen Newcomer, der
vor 4 Jahren erst mit 60 Personen eine eigene Webereiproduktion begann.
Schnell erkannte Ahmet Yasar, Besitzer des Unternehmens, daß eine
gewisse Unbeweglichkeit in der Lieferzeit durch die Lohnausrüster
entstand. Um entsprechend flexibler auf den Markt zu reagieren, wurde
dieses Jahr in eine eigene Färberei und Ausrüstung investiert, was
eine Erhöhung der Zahl der Mitarbeiter auf 200 zur Folge hatte.
Hierdurch
läßt sich dann das rund 400 verschiedene Dessins umfassende Angebot
einerseits leicht erweitern und anderseits die Lieferzeit unter das
heutige Niveau von 15 Tagen drücken. Bei einer rein auftragsbezogenen
Fertigung sind Kleinstaufträge bis 50 Meter nichts Außergewöhnliches.
Mustervielfalt, Kreativität und hohes Qualitätsniveau bilden auch
bei Prestij die Eckpfeiler für den Verkaufserfolg. In der Türkei werden
mit den Verkaufsstützpunkten in Ankara, Istanbul, Izmir und Antalya
60% Umsatzanteil erwirtschaftet mit einer eigens hierfür im Haus erstellten
Artikelpalette. Anders verhält es sich beim 40%igen Exportanteil.
Mit den in Arabien und Far East ansässigen Abnehmern werden vorwiegend
kundeneigene Dessins entwickelt und gefertigt.
Die DORNIER-System-Familie
im Möbel- und Dekostoffbereich
Um einen noch schnelleren Durchlauf durch die Fertigung zu realisieren,
das heißt also noch kürzere Reaktionszeiten zu erhalten, haben die
ersten türkischen Möbel- und Dekostoffweber jetzt auch DORNIER-Luftwebmaschinen
in Betrieb genommen. So laufen seit Anfang 1996 z.B. in Istanbul bei
der Firma Aydin Tekstil neben 28 Greiferwebmaschinen 6 Luftwebmaschinen
in Jacquardausführung mit sechs Schußfarben.
Spezielle
technische Weiterentwicklungen an dieser Maschine (siehe Bericht auf
den Seiten 5/6 dieser Ausgabe) führten dazu, daß die in der Branche
geforderte Flexibilität sichergestellt werden konnte. In Verbindung
mit der Greiferwebmaschine ergibt sich damit für den Möbel- und Dekostoffweber
eine optimale Produktflexibilität. |